Borkum 2020              Foto: Simone Augustin


Aus Sand bauen – Ein Gegentrend zur Virtualität

Ein Projekt von Dieter Hagen


Kreativität, Feinmotorik, sozial-kommunikative Kompetenzen – nach Dieter Hagen sind dies Fähigkeiten, die im Zeitalter zunehmender Technologisierung verarmen. Dem Megatrend der Digitalisierung setzt Hagen einen anlogen Freiraum zur spielerischen Entwicklung von Kindern entgegen. Gemeinsam mit seinem Betreuungskind entwickelte er eine Faltform für Sandbauwerke, die inzwischen patentrechtlich geschützt ist. Die Gestaltung realer und fiktiver Straßenzüge lässt der Fantasie freien Raum und soll Kindern ein Gespür für das Handwerk vermitteln. Auch emotionale und kognitive Fähigkeiten werden auf diesem Wege gefördert. Alltagsgegenstände wie Joghurtbecher und Pralinenformen ergänzen den Werkzeugsatz und eröffnen unbegrenzte architektonische Möglichkeiten. Die Vergänglichkeit der Bauwerke hat einen symbolischen Charakter und lehrt die jungen Baumeister, sich für Neues zu öffnen. Nicht nur am Strand von Norderney und Borkum kam sein Projekt bisher zur Anwendung, sondern auch bei Ferienaktionen der Jugendpflege Rastede im Beachclub Nethen, auf dem Spielemarkt im Evangelischen Bildungshaus Rastede und auf dem Kulturfestival „Land auf’s Herz“ im Park der Gärten. 2017 stellte Hagen sein Faltformen auf der Prototypenparty der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg vor und erzielte bei einer Publikumsabstimmung den 2. Platz.


Den Rasteder Künstler Dieter Hagen, ein ehemaliger Schlosser und pensionierter Lokomotivführer, treibt seine besondere Liebe für handwerkliche Ausdrucksformen an. Seine Faszination für die detailgetreue Darstellung und Vergänglichkeit von Objekten verarbeitet er malerisch oder in Form von praktischen Projekten. Alltagsgegenständen eine neue Bedeutung und Funktion zu verleihen, ist ein Charakteristikum seines Schaffens. Hagen setzt gerne die „Kinderbrille“ auf. Diese Perspektive hilft ihm dabei, Offenheit und Neugierde mit seinem Wissen und Können zu verknüpfen.


                                                                                                                    Text: Melanie Wichering